Am Sonntagmorgen herrscht reges Treiben im Düsseldorfer Hbf. Nach und nach trudeln immer mehr rot-gelb gekleidete Personen rund um den Aufgang zu Gleis 6 ein. Einige tragen tütenweise Getränke und Essensvorräte mit sich, andere scheinen noch gar nicht richtig wach zu sein. Auf der Anzeigetafel des Gleises steht für 7:38 Uhr der „Sonderzug Eishockey“ mit der Bezeichnung DEG 1898 angeschlagen. Rund 540 Düsseldorfer Eishockey-Fans machen sich auf den Weg zum Auswärtsspiel bei den Hamburg Freezers.
Mit im Gepäck die 1:7-Packung vom vergangenen Freitag. Die höchste Saisonniederlage ausgerechnet gegen die Thomas Sabo Ice Tigers aus Nürnberg, die vor der Saison mit Marco Nowak, Evan Kaufmann, Connor James und Patrick Reimer sowie den Trainern Jeff Tomlinson und Tray Tuomie einen wichtigen Teil der Düsseldorfer Vorjahresmannschaft unter Vertrag nahmen. Zwar gelang den „jungen Wilden“ am Freitagabend im Mittelabschnitt noch der 1:1-Ausgleich durch Colin Long, doch vor allem im Schlussabschnitt fand so gut wie jeder Nürnberger Torschuss den Weg ins DEG-Gehäuse. Dennoch vernahm man im ISS Dome keine Pfiffe gegen das eigene Team und konnte damit schon erahnen, wie die Düsseldorfer Anhänger ihr Team auch in Hamburg unterstützen würden.
Frühschoppen im Sonderzug
Als sich der Sonderzug in Bewegung setzt, hat der Großteil der Düsseldorfer Fans seinen Platz in den verschiedenen Wagons eingenommen. Einige machen sich erst einmal auf dem Weg, um sich im Zug einen Überblick zu verschaffen, wer in welchem Wagon zu finden ist, andere nehmen gleich Party- und Speisewagen in Beschlag. Aus den Zuglautsprechern schallen die ersten Partyschlager, aufgelegt von den beiden Sonderzug-DJs. In den nächsten vier Stunden nutzen die rot-gelben DEG-Fans die Fahrt zum verlängerten Frühschoppen. Hier und dort werden die ersten 5-Liter-Fässer geöffnet. Anderswo beginnt man die Fahrt mit Kaffee aus der Thermoskanne. Dazu gibt es Käsewürfel, Wurst und viele andere Leckereien.
Die Ankunft in der Hansestadt feiern die Düsseldorfer Fans lautstark. Den Weg vom Hamburger Bahnhof Altona zum Stadtteil Stellingen, in dem die Heimspielstätte der Hamburg Freezers steht, legt die rot-gelbe Zugfahrgemeinschaft mit der S-Bahn zurück und sorgt bei ihrer Ankunft für reichlich Unterhaltung der Einheimischen. Den Fußweg zur Arena begleiten zahlreiche Gesänge, unterbrochen von einer ersten „Humba“. Vor der O2-World bauen sich die DEG-Fans schließlich auf zwei Treppenaufgängen auf. Vor ihnen wird ein Banner mit der Aufschrift „We follow you“ ausgebreitet, das Motto der heutigen Fahrt, das auch die im Zug verkauften Autoschals ziert.
In der Halle geht die Feier weiter. Nach und nach füllt sich der Gästebereich im Oberrang der Arena. Viele Mitfahrer nutzen allerdings zuvor die Möglichkeit, um sich mit Hilfe des Hallencaterings zu stärken. Immerhin muss der Körper für den harten Umstieg von Altbier zu Pils bzw. teilweise zu verschiedenen Cocktails, für die die Hamburger Arena bekannt ist, entsprechend vorbereitet werden. Die Vorbereitung zahlt sich aus. Die Düsseldorfer Eishockeyfans unterstützen ihr Team lauthals, auch nachdem die Gastgeber bereits nach 24 Spielminuten mit 4:0 in Führung liegen. Niemand ist der eigenen Mannschaft böse, denn immerhin tritt die DEG wie viel zu oft in dieser Saison mit einer Rumpftruppe an.
Dezimierte DEG in Hamburg ohne Chance
Kapitän Daniel Kreutzer und Colin Long mussten mit einer Grippe kurzfristig die Reise nach Hamburg absagen. Ashton Rome und Marian Bazany laborieren beide an Handverletzungen und Jungstar Daniel Fischbuch zwang eine Leistenverletzung zur Abwesenheit. Immerhin ermöglichte die dünne Personaldecke dem 18-jährigen Jari Neugebauer sein DEL-Debüt. Die verbliebenen 17 Spieler ließen sich trotz des deutlichen Rückstandes nicht hängen. Nachdem Bobby Goepfert für Felix Bick ins Düsseldorfer Gehäuse kam, ließen die „jungen Wilden“ zwei Überzahltreffer durch Calle Ridderwall und Bernhard Ebner folgen. Der Schlussabschnitt blieb torlos, doch trotz der 4:2-Niederlage herrschte im Gästeblock weiter eine großartige Stimmung.
Als die Schlusssirene ertönt, hat sich bereits der Düsseldorfer Dauergesang eingestellt. Immer wieder wiederholen die über 600 DEG-Anhänger „Oh DEG, wir sind da, jedes Spiel, ist doch klar. Tabellenletzter, tut schon weh, scheißegal, oh DEG“. Auch die Ehrenrunde der Hamburger Spieler und deren anschließende „Humba“ mit den eigenen Fans, irritieren die rot-gelben Fans nicht. Stattdessen fällt es den Gastgebern sichtlich schwer, gegen die Lautstärke des Gästeblocks anzukommen. Freezers-Torhüter Dimitrij Kotschnew versucht es zumindest und betont gegenüber den eigenen Fans, dass sie heute besonders laut sein müssten. Kurze Zeit später gibt die Heimmannschaft allerdings auf und verschwindet wieder in der Kabine.
DEG-Fans feiern mit ihren Spielern
Die in der Halle verbleibenden Freezers-Anhänger, die bereits vor dem Spiel ein Transparent mit der Aufschrift „Düsseldorf muss Erstklassig bLeiben“ präsentierten, feiern mittlerweile mit dem rot-gelben Gästeblock und als das Freezers-Maskottchen die Düsseldorfer Spieler aus der Kabine zurück auf das Eis holt, brechen alle Dämme. Vielleicht der Gänsehaut-Moment des gesamten Tages.
Auf der Rückfahrt feiern Spieler und Fans gemeinsam. Entspannte Gespräche zwischen den DEG-Akteuren und ihren Anhängern werden von Schlagermusik aus den Lautsprechern begleitet. Alle sind sich einig, dass man eine solche Tour zwar nur schwer übertreffen kann, man es aber gerne in der kommenden Saison versuchen würde.
Videos: Kevin Uertz [ K-U ] Photography