Fragwürdige Sperre durch DEL-Disziplinarausschuss

Die Düsseldorfer EG sieht sich nach der 5-Spiele-Sperre für Verteidiger Marc Zanetti weiter fragwürdigen Entscheidungen der DEL ausgesetzt. Im Gegenzug vermeidet der Disziplinarausschuss Ermittlungen gegen Spieler anderer Vereine, obwohl Düsseldorfer Spieler teils schwer verletzt werden. Zuletzt traf es Verteidiger Drew Paris, der in den kommenden vier Wochen nicht mitwirken kann.

Marc Zanetti (Foto: Kevin Uertz)

Marc Zanetti (Foto: Kevin Uertz)

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) sorgte am Montag erneut für Aufregung im Fanlager der Düsseldorfer EG. Der Disziplinarausschuss der DEL sprach eine Sperre gegen DEG-Verteidiger Marc Zanetti für seinen Open-Ice-Check in der Verlängerung des Freitagabendspiels gegen den EHC Red Bull München aus. Der Verteidiger kassierte für sein Einsteigen eine Matchstrafe wegen „Checks gegen Kopf und Nacken“ und muss für fünf Spiele pausieren, zudem wurde eine Strafe von 1.500 Euro festgelegt.

Kurios an der Sperre: Ähnlich wie es bereits einige Fans in Diskussionen im Brehmstrasse Nord Forum und auf der Brehmstrasse Nord Facebook-Seite rund um das Spiel analysiert hatten, konnte beim Disziplinarausschuss ein Check gegen den Kopf- und Nackenbereich nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden (Quelle: DEL.org Artikel). Doch anstatt den DEG-Verteidiger frei zu sprechen, werteten die DEL-Verantwortlichen den Check als einen unerlaubten Körperangriff mit Verletzungsfolge und vergaben nach IIHF-Regel 522b eine Matchstrafe, die schließlich mit fünf Spielen Sperre geahndet wurde. Ein ziemlich fragwürdiges Vorgehen.

Tatsachenentscheidung? Mal ja, mal nein!

Das Schiedsrichtergespann Willi Schimm und Alfred Hascher entschied regelkonform auf eine Matchstrafe wegen „Checks gegen Kopf und Nacken“. Hier gibt es laut Regel 540b bei Verletzungsfolge keinen Spielraum, es muss auf Matchstrafe entschieden werden. Da der Disziplinarausschuss diese Entscheidung aber nicht bestätigen konnte, änderte dieser den Grund für den Spielausschluss nun also auf „unkorrekten Körperangriff mit Verletzungsfolge“. Die entsprechende Regel 522b gibt den Schiedsrichtern allerdings die Möglichkeit auch bei Verletzungsfolge entweder eine Spieldauerdisziplinarstrafe oder eine Matchstrafe auszusprechen. Auf Grund der falschen Tatsachenentscheidung der Schiedsrichter entfiel dieser Ermessenspielraum zu Lasten von Marc Zanetti.

Das Ganze wird noch merkwürdiger, wenn man offizielle Aussagen von DEL-Mitarbeitern der DEL-Facebook-Seite betrachtet. Per Nachricht erkundigte sich ein DEG-Fan, wieso Blake Wheeler für seinen Kniecheck gegen Drew Paris am vergangenen Freitag keine Sperre erhält, wo doch Thomas Holzmann von den Iserlohn Roosters im ersten Saisonspiel für seinen Kniecheck an Michael Catenacci anschließend drei Spiele gesperrt wurde. Antwort der DEL:

„Blake Wheeler wird keine zusätzliche Strafe erhalten. Er hat nach seinem Kniecheck eine große Strafe nebst Spieldauer-Disziplinarstrafe erhalten – Thomas Holzmann eine große Strafe nebst Matchstrafe. Bei einer Spieldauer-Disziplinarstrafe wird der DEL-Disziplinarausschuss nicht tätig, es sei denn diese wird bei einem Check gegen den Kopf ausgesprochen. Wir müssen an der Stelle anmerken, dass der Schiedsrichter nach den Regeln gehandelt hat. Bei einem Check mit dem Knie kann bei einer Verletzungsfolge sowohl die große Strafe nebst Spieldauer-Disziplinarstrafe ausgesprochen werden als auch die große Strafe nebst Matchstrafe.“ (Gesamter Nachrichtenverkehr im neunzehn35 Forum nachlesbar)

Soweit korrekt nach IIHF Regel 536b, doch vor allem der letzte Satz bekräftigt, dass die falsche Auslegung der Szene durch die Schiedsrichter den Ermessenspielraum bei korrekter Auslegung verhindert hat. Die Düsseldorfer EG sollte das Vorgehen des Disziplinarausschusses daher nicht einfach hinnehmen und entsprechende Schritte einleiten. Insbesondere weil die DEG in dieser Saison bereits mehrere Spielsperren erhalten hat, wohingegen Fouls an den eigenen Spielern von der DEL nicht geahndet werden. Letztes Beispiel ist das bereits erwähnte Knie-Foul an Drew Paris, der, wie heute von der DEG bekannt gegeben, wegen eines Innenband-Teilanrisses und einer Meniskuslockerung im rechten Knie mindestens vier Wochen pausieren muss. Der Übeltäter Blake Wheeler hingegen, durfte bereits am Sonntag auf Grund der fälschlicherweise gegebenen Spieldauerstrafe wieder für München auflaufen und das dritte Tor in Iserlohn vorbereiten.

Mehrere DEG-Verletzungen nicht geahndet

Der harte Check gegen den Kopf von Michael Catenacci des Müncheners Johan Ekbom im zweiten Saisonspiel wurde ebenfalls nicht verhandelt. Die Schiedsrichter hatten den Angriff auf den Kopf schlicht übersehen. Eine nachträgliche Bestrafung war nicht möglich, da es ein Problem mit dem Videomaterial gab, für das immerhin die gastgebenden Münchner verantwortlich gewesen wären. Die Folgen für Michael Catenacci sind bekannt. Seit diesem Spiel ist der Düsseldorfer Angreifer wegen einer Gehirnerschütterung nicht mehr aufgelaufen. Im gleichen Spiel erhielt Daniel Kreutzer übrigens eine zehnminütige Disziplinarstrafe wegen eines Checks gegen den Kopf und wurde zwei Spiele gesperrt, obwohl der Gefoulte weiterspielen konnte. Die gleiche Situation wiederholte sich am dritten Spieltag in Berlin, bei der es Marian Bazany mit einer zehnminütigen Strafe traf. Auch hier konnte der Gegenspieler weiterspielen, doch Bazany erhielt wie Kreutzer zwei Spiele Sperre.

Nur zwei Wochen später kassierte Mannheims Dennis Reul im Heimspiel gegen die DEG eine zehnminütige Strafe wegen Checks gegen Kopf und Nacken, nachdem er den Düsseldorfer Youngster Alex Preibisch verletzt hatte. Preibisch fiel schließlich mehrere Wochen mit einer Schulterverletzung aus. Die Strafe gegen Reul wurde vom Disziplinarausschuss scheinbar nicht einmal verhandelt, denn in den Pressemitteilungen der DEL taucht dieser Fall nicht auf. Auch zwei Stockschläge bei einer Rangelei von Berlins Daniel Briére gegen DEG-Verteidiger Thomas Gödtel blieben am vergangenen Sonntag genauso ungeahndet, wie der Stockstich des NHL-Stars gegen den Debütanten Maik Klingsporn. „Ich dachte zuerst, er wollte mir die Hand geben, aber dann hat er mir den Schläger in den Magen gedrückt“, sagte der 19-Jährige gegenüber der Westdeutschen Zeitung.

Dafür aber die Strafe von Marco Habermann, der Ende September nach einem Check gegen den Kopf von Wolfsburgs Simon Danner für sechs Spiele gesperrt wurde. Auch wenn dieses Foul ebenfalls lange diskutiert wurde, laboriert Danner noch bis heute an einer Gehirnerschütterung, so dass die Strafe wohl in Ordnung geht. Im Gegensatz dazu sperrte die DEL allerdings Ashton Rome nach seinem ersten, kurzen DEL-Spiel wegen eines Checks gegen den Kopf von Wolfsburgs Greg Moore für zwei Spiele. Kurioserweise spielte Greg Moore bereits zwei Minuten nach dem Check wieder mit.

Zanetti spielt für Kanada

Was lässt sich also aus den bisherigen Geschehnissen der Saison erkennen? Die DEL muss ihre Schiedsrichter dringend besser schulen, um eine korrekte Regelauslegung zu gewährleisten. Dann kommt der Disziplinarausschuss auch nicht zu der Gelegenheit, sich wegen solch kurioser Regelauslegungen wie im Falle Marc Zanettis angreifbar zu machen. Man stelle sich vor, welch medialen Gegenwind BILD und Co. aufbauen würden, wäre dieser Fall in der Fußball-Bundesliga ähnlich behandelt worden.

Ein Trost bleibt Marc Zanetti zumindest, falls die DEG keinen Einspruch gegen das Urteil einlegt und er weiter gesperrt bleibt. Am kommenden Wochenende läuft der Verteidiger als einziger Düsseldorfer beim Deutschland-Cup in München auf. Gemeinsam mit anderen europäischen Legionären wird er dort für sein Heimatland Kanada und somit am Freitag gegen Deutschland auflaufen (Spielbeginn: 19:45 Uhr).

Foto: Kevin Uertz [ K-U ] Photography