Wenn man unten steht, verliert man solche Spiele. Dabei lag die Düsseldorfer EG bereits früh mit 2:0 in Führung, musste sich allerdings am Ende den Kölner Haien mit 2:3 geschlagen geben. Die vielen Ausfälle im Spiel konnte die DEG vor allem im Schlussdrittel nicht kompensieren. Eiskalt zeigten die Haie vor über 10.000 Zuschauern, warum sie an der Tabellenspitze stehen.

Foto: Kevin Uertz
Rheinisches Derby zwischen der Düsseldorfer EG und den Kölner Haien, das heißt Kampf und Leidenschaft über mindestens 60 Minuten. Dabei ist es erst einmal völlig egal, ob sich wie in der Vergangenheit zwei qualitativ gleichwertige Mannschaften gegenüber stehen oder wie in den letzten Jahren eher zwei Clubs mit weit unterschiedlichen Etats. Waren es vor zwei Jahren noch die Kölner Haie, die kurz vor dem Aus standen und erst kurz vor Schluss durch neue Geldgeber „gerettet“ werden konnten, so sind in dieser Saison die Rollen vertauscht. Am besten zeigt sich das beim Blick auf die Tabelle, denn die Kölner Haie sammelten bis zum gestrigen Freitag doppelt so viele Punkte wie die Düsseldorfer EG und blicken von der Tabellenspitze auf die DEG herab, die auf dem letzten Tabellenplatz steht.
Spieldauer gegen Calle Ridderwall
Dennoch genossen die 10.106 Zuschauer im Düsseldorfer ISS Dome am Freitagabend einmal mehr ein spannendes und mitreißendes 198. Rheinisches Derby. Bereits nach 138 Sekunden sorgte Thomas Gödtel per Handgelenksschuss die Führung für die Düsseldorfer EG und für einen bebenden Dome. Die positive Stimmung hielt bis zur 9. Minute, als die Schiedsrichter Willi Schimm und Marucs Brill eine Verletzung von Thomas Gödtel nicht abpfiffen und Sekunden später DEG-Topscorer Calle Ridderwall wegen eines Stockschlags gegen Kölns Alexander Weiß per Spieldauerstrafe vom Eis schickten. Die große Strafe wurde ausgesprochen, da Weiß nach dem Schlag theatralisch Handschuh und Schläger wegwarf und mit der dargebotenen Einlage eine filmreife Bewerbung für eine spätere Schauspielkarriere abgab. Immerhin stand der Haie-Angreifer bereits eine Spielminute später wieder für sein Team auf dem Eis, von Schmerzen keine Spur.
Besonders bitter dürfte die Spieldauerstrafe für den Herrn gewesen sein, der in der Spielunterbrechung neben dem Eis gerade seiner Freundin einen Heiratsantrag machte, während fast das gesamte Stadion ein gellendes Pfeifkonzert abließ. Immerhin haben die beiden nun für alle Zeiten den in die Kabine staksenden Calle Ridderwall im Hintergrund ihres Verlobungsvideos. Gratulation!
Die „jungen Wilden“ ließen sich von der Strafe nicht irritieren und verhinderten gekonnt den Kölner Ausgleich in der fünfminütigen Überzahl. Kaum war die Unterzahlsituation überstanden konterten Justin Bostrom und Ashton Rome die Haie aus. Bostroms Zuckerpass musste Rome nur noch über die Linie drücken, 2:0. Haie-Routinier Mirco Lüdemann setzte dem Jubel über den Treffer allerdings 38 Sekunden später ein Ende, als er zum 2:1 verkürzen konnte.
Stimmungseinbruch nach Anschlusstreffer
Mit dem Anschlusstreffer ließ auch die Stimmung im ISS Dome merklich nach. Kam schon im torlosen Mittelabschnitt deutlich weniger von den Zuschauerrängen, hätte man sich gerade im Schlussabschnitt nach dem sehenswerten Ausgleich von Nathan Robinson (43.) mehr aufbauende Unterstützung für das einmal mehr dezimierte Düsseldorfer Team gewünscht. Nach den Ausfällen von Ridderwall und Gödtel zu Beginn, musste kurz nach Robinsons Ausgleich Manuel Strodel mit einer Schulterverletzung in die Kabine. Für den vorangegangenen Check kassierte Haie-Jungspund Marcel Ohmann eine Spieldauerstrafe, die man sicherlich so auch nicht pfeifen muss. In der anschließenden fünfminütigen Überzahl herrschte statt lautstarker Anfeuerung dann leider kollektives Schweigen, während sich die DEG-Spieler am Kölner Unterzahl die Zähne ausbissen.
Das gleiche Bild folgte bei der vierminütigen Überzahl nach dem hohen Stock von Chris Minard gegen Alexander Preibisch, der sich in der Szene ebenfalls verletzte. Natürlich sind bei solchen Derbies immer viele Zuschauer anwesend, die nicht so sehr für Lautstärke sorgen, wenn sie nicht gerade Klatschpappen in der Hand haben und natürlich haben sich gestern viele Düsseldorfer Fans die Kehle aus dem Hals gesungen. Doch gerade in diesen neun Minuten fehlte eindeutig die antreibende Unterstützung der Zuschauer.
Als Daniel Tjernqvist vier Minuten vor Ende die einzige Kölner Überzahl im Schlussabschnitt zum 2:3-Siegtreffer nutzte, waren es bezeichnenderweise die Haie-Fans, die kurz zuvor einen Gesang anstimmten, der von den Düsseldorfer Anhängern übernommen wurde. Dass der Treffer ausgerechnet dann fiel, passte irgendwie ins Bild.
Fragwürdige Aktionen der Haie-Spieler
Die Düsseldorfer EG präsentierte sich einmal mehr leidenschaftlich und kampfstark. Leider fehlte die nötige Durchschlagskraft vor allem bei den vielen Überzahlsituationen. Auch kann man dem Schiedsrichtergespann einen großen Vorwurf machen. Neben der unglücklichen Strafe gegen Ridderwall, übersahen sie einen Stockstich von Kevin Lavallee ließen auch bei Minards hohen Stock und John Tripps Stockschlag ins Gesicht von Bernhard Ebner Gnade vor Recht ergehen. Gerade bei der Aktion von John Tripp ist man gespannt auf das Verhalten des DEL-Disziplinarausschusses, werden doch Strafen wegen Checks gegen Kopf und Nacken automatisch zur Verhandlung gebracht. Angebracht wäre dies auch im Fall von Lavallees Stockstichs. Da aber glücklicherweise keine Verletzungen folgten, wird hier der Ausschuss vermutlich einmal mehr klare Regelverstöße nicht ahnden.
Am Sonntag hat das Team von Christian Brittig nun die Möglichkeit sich selbst vom letzten Tabellenplatz zu schießen. Bei einem Sieg in Wolfsburg (Beginn: 16:30 Uhr) würde die Düsseldorfer EG die Grizzly Adams Wolfsburg überholen und zumindest kurzfristig das Tabellenende verlassen. Ob die im Spiel gegen Köln verletzten Düsseldorfer Spieler dann mit von der Partie sein werden, ist bisher nicht bekannt.