Die Düsseldorfer EG zeigte am Sonntagabend, dass es im deutschen Eishockey auch günstig geht. Gegen die Geldschleudern der Eisbären Berlin setzte sich die DEG mit 4:3 nach Penaltyschiessen durch und lieferte vor 6.812 Zuschauern gemeinsam mit ihren Fans beste Werbung für das angeschlagene Düsseldorfer Eishockey ab.
„Wer ist eigentlich dieser NHL?“ fragte Fan-TV-Moderator Andre Scheidt nach der Ehrenrunde der DEG-Spieler und erntete dafür den letzten Applaus des Abends. Waren doch ausgerechnet die beiden hochgelobten NHL-Gastspieler der Eisbären Berlin, Claude Giroux und Daniel Brière, mit ihren Versuchen im Penaltyschießen an DEG-Torhüter Bobby Goepfert gescheitert. Travis Turnbull und Daniel Kreutzer machten es besser und krönten damit die Leistung ihres Teams vor 6.812 Zuschauern im ISS Dome. Auch wenn Kreutzers Penalty schließlich in der Statistik als spielentscheidend gewertet wird, war es doch vor allem der Tag von Travis Turnbull.
In der 8. Minute schlug Turnbull erstmals zu, als ihn Justin Bostrom vor dem gegnerischen Tor perfekt bediente. Das 1:0 für die Außenseiter aus Düsseldorf war zu diesem Zeitpunkt hochverdient, lieferte das Team von Christian Brittig doch von Beginn an einen aufopferungsvollen Kampf gegen die finanziell übermächtig aufgestellten Eisbären. Dass die Berliner über Klasse verfügen, demonstrierte das Team von Don Jackson dann bei doppelter Überzahl, die Julian Talbot auf Vorlage der beiden NHL-Gastspieler zum Ausgleich nutzen konnte.
Düsseldorfer Kampf und Leidenschaft
Bezeichnend für die Leidenschaft der Düsseldorfer EG war eine Szene in der 13. Minute, als sich Manuel Strodel mit dem dreizehn Zentimeter größeren Matthew Foy anlegte und diesen mit einem Kraftakt durch die offene Türe auf die DEG-Bank schob, wo schließlich Ashton Rome für Strodel in die Bresche sprang. Kurz darauf zeigte Thomas Gödtel dem NHL-Star Daniel Brière, dass er sich nicht alles erlauben kann. Als Julian Talbot für Brière dem Düsseldorfer Verteidiger an den Kragen wollte, hielt sich der NHL-Gast allerdings nicht zurück und versetzte Thomas Gödtel zwei Stockschläge in Kopfrichtung, die das Schiedsrichtergespann Lars Brüggemann und Ramin Yazdi aber gekonnt übersahen. Hierfür hätte sich der vermeintliche Superstar eine Matchstrafe verdient gehabt.
Immerhin musste Brière ebenfalls für zwei Minuten auf die Strafbank. Als ihm auch noch Frank Hördler folgte, befand sich die DEG plötzlich in doppelter Überzahl, die erneut Travis Turnbull mit einem satten Schuss ins Tor von Rob Zepp verwerten konnte. Doch die Eisbären kamen im Mittelabschnitt zurück und konnten das Spiel durch Tyson Mulock erneut ausgleichen. Aber Travis Turnbull hatte noch nicht genug und verwandelte einen Konter über Justin Bostrom zur dritten Führung des Abends. Kurioserweise wurden bei allen drei Turnbull-Toren zunächst zweimal Bostrom und einmal Daniel Kreutzer als Torschützen verkündet, was im Nachhinein korrekterweise berichtigt wurde.
Beste Werbung für das Düsseldorfer Eishockey
Die Düsseldorfer EG und ihre Fans hätten sich in dieser Partie drei Punkte verdient gehabt. Team und Anhänger lieferten beste Werbung für das Düsseldorfer Eishockey ab und der weniger fachkundige Zuschauer wird sich gefragt haben, wieso die Stimmung im ISS Dome und der Beifall für die eigenen Spieler so viel lauter ausfallen, als in den vergangenen Jahren. Immerhin steht die DEG trotz der heutigen zwei Punkte auf dem 13. und damit vorletzten Tabellenplatz in der DEL. Doch zeigt die junge Mannschaft Woche für Woche das, was in den letzten Jahren trotz vieler Siege und Finaleinzüge stets gefehlt hat: Kampf und Leidenschaft. Jeder arbeitet für den anderen und die Nachwuchsspieler zahlen das Vertrauen in sie durch hohen Einsatz zurück. Zu den „jungen Wilden“ gesellte sich heute, nach den vielen Ausfällen in der Defensive, Maik Klingsporn vom EV Duisburg, der eine ebenfalls eine solide Partie ablieferte und hoffentlich weiterhin die Chance in der DEL bekommen wird.
Drei Punkte waren der DEG also nicht vergönnt, denn Laurin Braun konnte in der 56. Minute den dritten Berliner Ausgleich erzielen. Da muss man anerkennen, dass die größte Geldvernichtungsmaschine der DEL (rund acht Millionen Euro Minus pro Saison) doch einige technisch feine Spieler aufbieten kann. Ein Glück für Berlin, dass die Anschütz Entertainment Group (noch) Jahr für Jahr das Minus ausgleicht. Immerhin belohnte sich das Düsseldorfer Team mit dem Zusatzpunkt im Penaltyschiessen und konnte eine weitere sensationelle „After-Game-Show“ auf dem Eis abfeiern. Diesmal sogar mit dem langzeitverletzten Michael Catenacci, dessen Tanzeinlage hoffen lässt, dass man ihn in dieser Saison doch noch einmal im Trikot sehen wird.
Mit einem 4-Punkte-Wochenende geht es nun in die Deutschland Cup-Pause. In den Auswärtsspielen bei den Augsburger Panthern und den Iserlohn Roosters, sowie dem Heimspiel gegen die Adler Mannheim (Dienstag, 20.11., Spielbeginn 19:30 Uhr) kehren dann sicherlich die ein oder anderen angeschlagenen Spieler zurück in den Kader der DEG. Ob Marc Zanetti auch dabei sein wird, bleibt bis zur Entscheidung der Deutschen Eishockey Liga Matchstrafe im Spiel gegen München) bis zum Wochenbeginn offen.

