Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Kurz vor dem 197. Rheinischen Derby wurde der kurzzeitige Höhenflug der Düsseldorfer EG mit einer 2:5-Heimniederlage gegen die Grizzly Adams Wolfsburg gestoppt. Die Übernacht-Neuverpflichtung Ashton Rome lernte dabei bereits nach knapp fünf Spielminuten die deutsche Regelauslegung kennen und durfte danach das Spiel von der Tribüne weiter begutachten.

Ashton Rome

Ashton Rome (Foto: Kevin Uertz)

Am Freitagnachmittag kündigte die DEG über Facebook eine Spielerüberraschung für das Abendspiel gegen die Grizzly Adams Wolfsburg an. Etwa eine Stunde vor Bekanntgabe sickerte auf der Brehmstrasse Nord Facebookseite bereits die Verpflichtung des 26-jährigen Kanadiers Ashton Rome durch. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion führten die DEG-Verantwortlichen um den sportlichen Leiter Walter Köberle in der Nacht zum Freitag den Deal durch. Finanziell ermöglicht wurde der Vertrag durch die freiwerdenden Gehälter von Michael Catenacci und Tino Boos, die nun mehr von der DEL-Berufsgenossenschaft getragen werden. Der Außenstürmer spielte zuletzt bei den Portland Pirates in der AHL und den Greenville Road Warriors in der ECHL. Als Ersatzmann für den Langzeitverletzten Catenacci sollte der Kanadier die erste Reihe um Daniel Kreutzer und Andreas Martinsen unterstützen.

Sein DEL-Debüt endete allerdings bereits nach knapp fünf Spielminuten, als Rome den Wolfsburger Greg Moore von hinten in die Bande checkte und dafür mit einer Matchstrafe zum Duschen geschickt wurde. Ob ihm in der kurzen Zeit vor dem Spiel niemand gesagt hat, dass die deutsche Regelauslegung in Sachen Checks von Hinten und Checks gegen Kopf und Nacken besonders seit dieser Saison nichts mehr mit internationalen Regeln zu tun hat, liegt da wohl nahe. In jedem Fall muss nun mit einer längeren Sperre gerechnet werden, wobei die Tatsache, dass Moore kurze Zeit später weiterspielen konnte, die Sperre deutlich reduzieren dürfte.

Vor 4.334 Zuschauern, unter denen sich durch die gemeinsame Ticketaktion einige Fortuna Düsseldorf Anhänger befanden, gelang der Düsseldorfer EG dennoch ein guter Einstieg ins Spiel. Nach der überstandenen Unterzahl der Rome-Matchstrafe sorgte Calle Ridderwall in der 13. Minute für die Führung. Diese hielt allerdings nur 48 Sekunden. Rainer Köttstorfer traf bei angezeigter Strafe gegen die DEG zum Ausgleich. Trotzdem blieb die Partie weitestgehend offen.

Partie kippt im Mittelabschnitt

Die große Chance die Partie auf einen erfolgreichen Weg zu bringen, verpasste das Team von Christian Brittig nach gut 30 Spielminuten. Benedikt Schopper hatte bei eigener Unterzahl DEG-Stürmer Justin Bostrom mit Check gegen den Kopf eine blutige Nase verpasst und wurde vom Schiedsrichterduo Stephan Bauer und Florian Zehetleitner ebenfalls mit einer Matchstrafe zum Duschen geschickt. Der gut aufgelegte Wolfsburger Torhüter Daniar Dshunussow, sowie der Pfosten nach einem Schuss von Thomas Gödtel verhinderten die erneute Düsseldorfer Führung.

Kurz nach Ablauf der Düsseldorfer Überzahl kippte das Spiel, eingeleitet von einer krassen Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns. Marc Zanetti musste auf der Strafbank Platz nehmen, weil er nach einer tollen Klärungsaktion im eigenen Drittel einem Wolfsburger Spieler im Weg lag und dieser zu Fall kam. Ab der anschließenden Überzahl zeigten sich die „jungen Wilden“ nervös und unkonzentriert, was die Gäste durch Norm Milley in Überzahl, sowie Sebastian Furchner in Unterzahl zur 1:3-Führung nutzen konnten. Dass der letzte Tabellenplatz nicht die Qualität des Wolfsburger Kaders widerspiegelte, ließ sich auch im Schlussabschnitt sehen. Kurz nach der Pause erhöhte erneut Sebastian Furchner auf 1:4.

Mit dem Gegentreffer endete auch der Arbeitstag von DEG-Torhüter Bobby Goepfert, für den Pausen in dieser Saison extrem wichtig werden dürften. Alle Saisonspiele kann auch ein Bobby Goepfert nicht machen. Ersatzmann Felix Bick übernahm den Platz zwischen den Pfosten und zeigte eine positive Leistung. Christian Brittig versuchte derweil alles, um das Spiel noch einmal zu kippen, doch sein Mut bereits fünfzehn Minuten vor der Schlusssirene mit einem sechsten Feldspieler zum Anschlusstreffer zu kommen, scheiterte nach wenigen Sekunden, als Greg Moore für die Wolfsburger zum 1:5 ins leere Düsseldorfer Tor traf. Justin Bostroms Treffer in 56. Minute war schließlich nur noch Ergebniskosmetik, die dennoch von den Düsseldorfer Anhängern gewürdigt wurde. Auch heute gab es trotz der klaren Niederlage zu keinem Zeitpunkt Pfiffe. Im Gegenteil, die Fans standen einmal mehr hinter den „jungen Wilden“.

Rheinisches Derby am Sonntag

Was nimmt man nun aus solch einem Spiel mit? Zuerst einmal, dass unsere Nationalmannschaft auf internationaler Ebene wohl keine Chance haben dürfte, solange die Strafen in der DEL weiterhin so kleinlich gepfiffen werden und dann noch Sperren nach sich ziehen. Klar müssen die Spieler geschützt werden und klar sind das Regeln des IIHF, doch werden diese wirklich international so ausgelegt, wie in der DEL? Das darf stark bezweifelt werden. Ein AHL-Spieler fährt einen Check, wie hunderte andere in seinen letzten 300 Spielen und kassiert dabei in seinem ersten DEL-Spiel gleich eine Matchstrafe, die unter Umständen mit einigen Spielen Sperre einher gehen. Ashton Rome dürfte sich in der Kabine über die deutschen Regeln kaputt gelacht haben.

Am Sonntag im 197. Rheinischen Derby bei den Kölner Haien (Spielbeginn: 17:45 Uhr, live auf ServusTV) wird der Neuzugang daher erst einmal fehlen. Die Haie gehen als ganz klarer Favorit in die Partie und alles anderes als ein deutlicher Sieg der Krupp-Truppe wäre eine Überraschung. Also auf geht’s, „junge Wilde“, bringen wir den Tabellenführer ins Taumeln!

Foto: Kevin Uertz [ K-U ] Photography