„Hier wächst etwas zusammen“, erklärte DEG-Trainer Christian Brittig nach der 4:6-Heimniederlage gegen die Augsburger Panther am vorletzten Wochenende. Zuvor hielt sein Team gegen die Gäste aus der Fuggerstadt stark entgegen und holte unter anderem einen frühen 0:3-Rückstand gegen die erfolgreich in die Saison gestarteten Panther auf. Dass es am Ende nicht für Punkte reichte, lag ebenso an der mangelnden Erfahrung der Düsseldorfer „jungen Wilden“ wie der gleichzeitigen Effektivität der Augsburger, die sich neben den finanzstarken Teams aus Mannheim, Berlin und Köln in den Top-4 festsetzten. Bezeichnend für die Mentalität der „neuen“ DEG jubelte Drew Paris bei seinem 1:3-Anschlusstreffer, als hätte er gerade ein Tor im DEL-Finale erzielt. So viele Emotionen ist man im ISS Dome nach den letzten Jahren mit hochbezahlten Topspielern nicht gewohnt.
Eben diese Leidenschaft sorgte sogar für den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 3:3. Selbst der 3:5-Rückstand im Schlussdrittel brachte die DEG nicht aus der Spur. Postwendend traf Justin Bostrom zum Anschluss. Dennoch reichten die Bemühungen nicht zum Ausgleich. Die 3.788 Zuschauer honorierten trotzdem den großartigen Kampf, mit dem die Düsseldorfer bereits zwei Tage zuvor die Hannover Scorpions mit 2:1 niederrangen und damit den ersten „Dreier“ der Saison einfuhr. Leider kamen auch zu dieser Partie lediglich 3.743 Zuschauer, die immerhin die erste große „After-Game-Ice-Show“ der Saison präsentiert bekamen. Torhüter und Hobby-Entertainer Bobby Goepfert tanzte sich einmal mehr in die Herzen der DEG-Anhänger und steckte den ein oder anderen Feldspieler mit seinem Bewegungsdrang an. Mehr als eine Viertelstunde feierten Team und Fans nach der Schlusssirene.
Überraschend punktreiche Auswärtsserie der DEG
Die überzeugenden Leistungen der beiden Heimspiele sowie die daraus resultierenden Punkte waren enorm wichtig, fand sich die DEG doch nach fünf Auswärtsspielen am Stück („Wetten dass…???“ belegte den ISS Dome) am Tabellenende wieder. Nach der 6:2-Niederlage bei den von Ex-DEGlern gespickten Nürnberg Ice Tigers, folgten zwei hart erkämpfte 2:1-Niederlagen jeweils nach Verlängerung bei den Top-Teams aus Mannheim und Ingolstadt. Sicherlich zwei Punkte, die so nicht eingeplant und gerade deshalb wichtig für Tabelle und Selbstvertrauen gewesen sein dürften, ebenso wie der Punkterfolg im rheinischen Derby am Wochenende zuvor. Die starken Heimauftritte gegen Hannover und Augsburg setzten den Selbstbewusstseinsaufbau fort und bildeten die Grundlage für das erste 6-Punkte-Wochenende der Saison.
Hochmotiviert reisten die Düsseldorfer „jungen Wilden“ nach Niederbayern. In den letzten Jahren endeten Gastspiele bei den Straubing Tigers zumeist eher frustrierend aus Düsseldorfer Sicht. Die häufig als Underdog gehandelte Tigers machten den vermeintlich favorisierten DEG-Teams regelmäßig das Leben schwer. Diesmal hatten sich die Vorzeichen geändert. Die Niederbayern standen in der vergangenen Saison im Halbfinale und gingen gegen die rot-gelben Außenseiter als Favorit ins Spiel. Doch Daniel Kreutzer und Manuel Strodels erstes DEL-Tor sorgten für die überraschende 0:2-Führung nach dem ersten Drittel, den die Gastgeber im Mittelabschnitt allerdings ausgleichen konnten. Für großen Jubel sorgte schließlich Marc Zanettis Treffer 100 Sekunden vor Schluss der Partie, der den ersten „Dreierpack“ auf fremdem Eis sicherte.
DEG-Powerplay taut Kühlschränke ab
So fuhr der ein oder andere Düsseldorfer Fan am gestrigen Sonntag mit einem Funken Hoffnung in den ISS Dome, auch die Hamburg Freezers bezwingen zu können, die auf dem Papier über eine beachtliche Truppe rund um die Ex-DEG-Topspieler Brandon Reid und Rob Collins sowie NHL-Gastspieler Jamie Benn verfügen. Der Großteil der Angängerschaft machte sich daher wohl eher mit dem Gedanken vertraut, heute zwar eine kampfbetonte Leistung, aber eine Niederlage zu sehen. Was die Düsseldorfer EG dann aber den 3.576 Zuschauern bot, war eine sensationelle Leistung mit der Freezers-Coach Benoit Laporte ebenfalls nicht gerechnet hatte. Drei Powerplay-Treffer in den ersten drei Überzahlspielen durch Drew Paris, Daniel Kreutzer und Thomas Gödtel glichen bereits nach 13 Spielminuten einer Vorentscheidung.
Als Bernhard Ebner im Mittelabschnitt bei eigener Unterzahl einen Konter über Daniel Kreutzer zu seinem ersten DEL-Treffer abschließen konnte, explodierte die Stimmung des rot-gelben Anhangs im ISS Dome förmlich. Jerome Flaake sorgte zwar für den Anschlusstreffer, doch nur zwei Minuten später ließ Daniel Fischbuch ebenfalls seinen ersten DEL-Treffer folgen. Erneut Flaake weckte im Schlussdrittel noch einmal die Hamburger Hoffnungen, doch die solide Düsseldorfer Verteidigung verhinderte weitere Treffer. Daniel Kreutzers Empty-Net-Treffer, erneut in Unterzahl, besiegelte den 6:2-Erfolg. Die anschließende Feier des Teams auf dem Eis und den Fans auf den Rängen setzte das letzte Highlight, erneut angeführt von Torhüter Bobby Goepfert diesmal allerdings unterstützt von den „Background-Tänzern“ Drew Paris und Marc Zanetti. Bleibt die Frage, wie die junge Mannschaft diese Feier-Höhepunkte im Laufe der Saison noch überbieten möchte..
Am Freitag gastieren bereits zum zweiten Mal in dieser Saison die Grizzly Adams Wolfsburg im ISS Dome (Spielbeginn: 19:30 Uhr). Fraglich, ob bei diesem weniger attraktiven Gegner mehr Zuschauer die „jungen Wilden“ unterstützen werden. Fakt ist jedenfalls, dass dieses Team deutlich mehr Zuschauer verdient hat, als viele andere DEG-Mannschaften in den vergangenen Jahren.
Fotos: Detlef Ross & Kevin Uertz [ K-U ] Photography
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